Festgefahren

Auf der Linie 25, die die Stadtteile Harheim und Nieder-Erlenbach mit der S-Bahnstation Berkersheim verbindet, fehlt immer wieder einmal ein Bus. Die Linie wird mit Kleinbussen betrieben, weil die Niddabrücke zwischen Berkersheim und Harheim keine größeren Fahrzeuge zulässt. Oft sind die Busse einfach nur kaputt, manchmal hat das Fehlen des Kurzpendels zwischen Berkersheim und Harheim auch einen tieferen Grund. So wie am 4. Januar 2016.

Festgefahren in Berkersheim

Festgefahren in Berkersheim

Ich spaziere an meinem letzten Urlaubstag aus 2015 gemütlich nach Berkersheim an den Bahnhof. Eigentlich gibt es keinen besonderen Grund für mich, dorthin zu laufen, ich gewöhne mir jedoch gerade das Rauchen ab. Da spaziere ich dann gene durch die Gegend und versuche, mir die Lust auf Kippen zu verkneifen.

In Berkersheim fällt mir der Lärm auf, den der eine der beiden Busse veranstaltet. Ein hoch drehender Motor, dann wieder das krachende Getriebe, das Piepsen der Warnung vor dem Rückwärtsgang und dann dreht der Motor wieder hoch. Und wieder. Und wieder…

Der rechte vordere Reifen steckt tief im Schlamm

Der rechte vordere Reifen steckt tief im Schlamm

Meines Wissens nach kann man sich so nicht aus dem Schlamm befreien. Der Bus bewegt sich auch keinen Zentimeter. Ich betrachte es als willkommene Unterhaltung, so laufe ich nicht Gefahr, mir irgendwo Zigaretten zu besorgen.

Und wieder dreht der Motor hoch

Und wieder dreht der Motor hoch

Der Busfahrer bemüht sich wirklich nach Kräften, sich am eigenen Zopf aus dem Schlamm zu ziehen. So wie einst der Lügenbaron von Münchhausen. In der Realität zeigt sich, dass das gar nicht so leicht ist.

Der andere Bus fährt nach Nieder-Erlenbach

Der andere Bus fährt nach Nieder-Erlenbach

Insgesamt sind drei Kleinbusse auf der Linie 25 im Einsatz. Zwei davon fahren die große Runde nach Nieder-Erlenbach, der dritte fährt nur bis nach Harheim und steckt in diesem Fall fest. Dadurch muss natürlich der andere Bus wesentlich mehr Fahrgäste aufnehmen, noch dazu, wenn die S-Bahn ordentlich Verspätung hat. So wie gestern.

Vorwärts nimmer...

Vorwärts nimmer…

Kaum ist der andere Bus mit den Fahrgästen abgefahren, müht sich der Fahrer wieder, aus dem Schlamm heraus zu kriechen. Im Vorwärtsgang bewegt sich der Bus keinen Zentimeter, auch wenn der Fahrer wild am Lenkrad kurbelt und den Motor an den Begrenzer dreht.

...rückwärts nimmer!

…rückwärts nimmer!

Auch im Rückwärtsgang ist der Bus eher eine Immobilie. Nach ca. einer Dreiviertelstunde erscheint ein Verkehrsmeister auf der Bildfläche. So lange steht der Bus schon in seinem Loch. Derweil sind auch die Versuche eines der Busfahrer, das Fahrzeug mit Hilfe von untergelegten Steinen wieder flott zu bekommen, nicht von Erfolg gekrönt.

Der Verkehrsmeister setzt sich zunächst einmal in den Bus und versucht, was seine Busfahrer-Kollegen vorher schon versucht haben. Vorwärtsgang. Rückwärtsgang. Wildes Reißen am Lenkrad und den Motor schön bis an den Begrenzer drehen.

Schieben ist vielleicht eine Lösung.

Schieben ist vielleicht eine Lösung.

Ein neuer, kreativer Einfall ist aber dabei. Der Verkehrsmeister setzt sich ans Steuer und lässt den Busfahrer vorne schieben. Vielleicht gelingt es auf diese Weise, den Bus aus seinem Loch heraus zu holen. Doch der Bus steht weiterhin unverrückbar am Rand der Wendeplatte.

Rettung naht!

Rettung naht!

Nach knapp zwei Stunden wartet ein Abschleppwagen am Bahnübergang. Es besteht überhaupt kein Zweifel, wer diesen Abschlepper beauftragt hat.

Versuch 1: Abschleppen von hinten

Versuch 1: Abschleppen von hinten

Das Abschleppseil (bzw. viele davon) werden am Abschleppwagen und am Bus befestigt. Dann soll der Bus rückwärts gezogen werden.

Rutscht weg...

Negativ. Der Bus rutscht weg…

Der Bus wird auch nach hinten gezogen, beginnt aber nun, auch noch mit den rechten Hinterreifen in den Acker zu rutschen. Das ist nicht ganz das Ergebnis, was sich die Beteiligten erhofft hatten.

Versuch 2: Von vorne abschleppen.

Versuch 2: Von vorne abschleppen.

Also wird der Abschleppwagen an der Vorderachse befestigt. Dann macht der Fahrer einen zweiten Versuch, der prompt gelingt. Der Bus ist aus seinem Loch herausgekommen.

Endlich befreit!

Endlich befreit!

Wer jetzt aber denkt, der Bus würde wieder in den Einsatz gehen, der hat sich getäuscht. Die Uhrzeit ist so weit fortgeschritten, dass der zweite Bus auf der Linie 25 schon in seinen wohlverdienten Feierabend gefahren ist. Auch der dritte Bus kommt jetzt in den Feierabend, aber er wird nicht gefahren, sondern gezogen.

Am Haken

Am Haken

Ich vermute, dass über die ganzen Versuche, den Bus irgendwie aus dem Graben heraus zu bekommen, die Gefahr besteht, dass die Vorderachse verbogen ist. Sonst hätte der Bus ja auch selbständig „nach Hause“ fahren können. Also kommt er an den Haken und fertig ist die Geschichte vom Kurzpendel auf der Linie 25, der am 4.1.2016 am Nachmittag fast nicht pendelte.

 

2 Gedanken zu „Festgefahren

  1. Jürgen friedrich

    Alpina Veolia Verkehr was soll man da auch anderes erwarten, danke für deine tolle Geschichte Jörg ! Gruss Jürgen

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