Kroatien September 2015: Von Zadar bis Split

Für unseren diesjährigen gemeinsamen Segelurlaub haben wir wieder einmal das Motto ausgerufen „größer ist besser“ und uns eine Bavaria 47 gechartert. Das Schiff ist zwar schon ein paar Tage alt (Baujahr 2002), es wurde aber erst im vergangenen Jahr mit neuen Segeln ausgestattet. Auch der Luxus im Bauch des Schiffes war wie für uns gemacht – für sechs Personen hatten wir drei Toiletten. Luxus pur!

Kalypso

Kalypso

Am 19.9. übernahmen wir die Kalypso (das Bild hier wurde allerdings in Split aufgenommen) in Zadar. Wir haben beim Charterunternehmen Pitter Yachting gechartert.

Bis vor ein paar Jahren war ich Kunde bei Ecker Yachting, die sind aber inzwischen insolvent und Pitter hat die Schiffe und die Kundendaten gekauft. Unter anderem auch meine Email-Adresse.

Da der Preis in Ordnung war, ließen wir uns zu diesem Riesendampfer quasi überreden.

Die Abwicklung der Formalitäten vor der Buchung und die Übernahme des Schiffes gestalteten sich vollkommen unproblematisch. Bei der Erledigung der Formalitäten und der Übernahme arbeiteten wir mit altbekannten Personen zusammen, denn Pitter hat anscheinend den kompletten Ecker-Stützpunkt gekauft.

Unser Einkaufs-Team fuhr nach der Erstellung einer Einkaufsliste zu den einschlägigen Supermärkten und das Übernahme-Team wiederum besorgte sich ein paar kalte Dosen Bier, während es auf die Einkäufer wartete. Das Essen des ersten Abends fand im Restaurant Marco Polo statt, nur wenige Minuten fußläufig von der Marina entfernt. Es gab keine Klagen, nur Lob für den freundlichen Service und die Qualität des Essens. Am Preis-Leistungs-Verhältnis ist hier nichts, aber auch gar nichts auszusetzen.

Apropos wir: Unsere Crew bestand aus Kathi, Jörg, Jens, Dirk, Christoph und mir. Wir segeln in wechselnder Zusammensetzung. DIesmal waren wir zum fünften Mal auf der kroatischen Adria.

Das Revier - von Zadar bis Split

Das Revier – von Zadar bis Split

Tag 1: Der große Knall
Zadar bis Murter Jezera

Wir planen die große Sause und wollen am Sonntag mindestens mal bis Split fahren. Oder weiter, durch die Nacht bis Dubrovnik. Ein Wunsch unseres Crewmitglieds Jörg ist es nämlich, einmal mit dem Segelboot in den Hafen von Dubrovnik einzulaufen. Die zwei Tage alte Windvorhersage aus Deutschland war noch einigermaßen akzeptabel. Im Laufe des Tages sollte der am Morgen nicht vorhandene Wind bis auf 5-6 Windstärken auffrischen und immer aus NE kommen. Die aktuelle Vorhersage zeigt hier schon 7-8 Windstärken für die Nacht. Grenzwertig.

Nach einer kurzen Motorfahrt aus dem Hafen machten wir uns an das Setzen des Großsegels. Wir hatten Wind. Ordentlichen 2-3er Segelwind. Das Vorliek war noch gar nicht richtig durchgesetzt, da krachte das Großfall und das Segel kam gerade wieder herunter. Wir fahren also zurück auf Los und lassen den Vercharterer die Reparatur erledigen, die nach einer guten halben Stunde auch durchgeführt ist. Das Großfall läuft auf diesem Schiff über eine Umlenkrolle (Untersetzung 1:2 also), die mit einem Schekel am Segel festgemacht ist. Genau dieser Schekel ist gebrochen.

Dort sitzt der Übeltäter

Dort sitzt der Übeltäter

Damit ist die Nachtfahrt (bzw. Abendfahrt nach Split) nun völlig gestorben, wir setzen sofort alle Segel und sehen zu, dass wir ordentlich Strecke machen für diesen Tag.

Alle Stunde hat der Wind ein Beaufort mehr. Alle Stunde müssen wir die Segel ein wenig reffen. Trotzdem fliegen wir mit unserem Dampfer mit wahnsinniger Geschwindigkeit von 7-8 Knoten dem Süden entgegen.

Murter

Murter

Es gibt in der Gegend von Murter dann nicht mehr viele Alternativen, zu denen man fahren kann. Ich wollte mit der noch nicht eingespielten Crew bei einer Starkwindwarnung auf jeden Fall in eine Marina.

Am geeignetsten erschien mir die Marina Jezera auf Murter, die gegen fast alle Windrichtungen geschützt ist. Bei der Einfahrt in die Marina lernte Jens, dass unser Schiff dank seines Mega-Radeffektes mehr zur Seite als nach hinten fährt. Wir wurden von mehreren Marineros und einem Motorbootcaptain ordentlich angebrüllt, dann lagen wir (ohne selbst zu brüllen) nach einem geschmeidigen Anlegemanöver genau in der richtigen Lücke. Fein.

Anschließend gab es leckeres Abendessen an Bord, wir hatten frische Rinderkoteletts aus Zadar mitgenommen. Nach dem einen oder anderen Hafenbier waren wir dann recht früh bettfertig. Der erste Segeltag des Urlaubs schlaucht immer etwas. In der Nacht gab es Regen, wir fanden undichte Fenster im Schiff. Außerdem lagen wir ungünstig mit dem Heck im Wind. Man kann nicht alles haben.

Tagesleistung: 33,1 nm

Tag 2: Das Würstchen und die KVR
Murter Jezera bis Sveta Fumija

Wir versuchen, die Marina so früh wie möglich zu verlassen. Das gelingt uns (wie immer) nicht. Wir starten im dritten Reff und nutzen den schönen Segelwind, der gegensätzlich zu gestern jede Stunde ein paar Knoten abflaut.

Die Hälfte der Crew am Montag im Cockpit

Die Hälfte der Crew am Montag im Cockpit

Anfangs sind noch die Regenklamotten gesetzt. Nicht wegen des Regens, sondern weil der Wind doch ordentlich pfeift. Bald schon müssen wir erstmals ausreffen, weil wir zu langsam werden.

Der Rest der Crew - nur der Skipper steht hinter der Kamera

Der Rest der Crew – nur der Skipper steht hinter der Kamera

Je weiter wir uns nach Süden bewegen, desto weniger wird der Wind. Kurz nach dem Mittagessen trägt die Kalypso ihre vollständige Segelgarderobe.

Unser Freund, der Baum

Unser Freund, der Baum

 

 

 

Auf diese Weise passieren wir Inselchen um Inselchen, auf vielen Steinhaufen finden wir Leuchttürme oder Seezeichen. Andere Steinhaufen sind unbezeichnet. Die unbezeichneten Steinhaufen sind der Quell jeder Freude auf Nachtfahrten in diesem Revier. So blöd waren wir gar nicht, dass wir die Nacht in der Marina verbracht haben.

Leuchtturm Murvica

Leuchtturm Murvica

Als wir den Leuchtturm Murvica passierten, begann der Wind zu drehen und immer weniger zu werden. Das schoben wir zunächst auf die Inseln, in deren Abdeckung wir uns befanden. Leider war das nicht alleine der Fall. Auch das Regattafeld, in das wir ungewollt mitten hineingekommen sind, war ohne den Hauptantrieb ein wenig aufgeschmissen.

Regatta bei Murvica

Regatta bei Murvica

Auch wir sind aufgeschmissen. Der Wind hat sich schlafen gelegt. Wir packen die Segel ein und werfen den Motor an. Unser Crewmitglied Jörg hat am kommenden Tag Geburtstag. Wir beschließen, die Motorfahrt des Tages zu kürzen und vor Anker zu übernachten.

Wir entdeckten plötzlich einen Segler, der ebenfalls motorte. Er motorte allerdings in die Gegenrichtung und auch bei genauestem Hinsehen war klar, dass wir uns auf Kollisionskurs befanden. Wir änderten sofort den Kurs um 20° nach Steuerbord. Der andere Segler fuhr unsere Kursänderung nach. Wir änderten den Kurs nochmal kräftig nach Steuerbord. Auch diese Kursänderung fuhr der andere nach. Kurz vor der Kollision fuhren wir ein weiteres Ausweichmanöver. Der andere Segler beendete seinen Kreis unter Motor und entfernte sich wieder. Er hat uns einfach nicht beachtet, wie er splitterfasernackt hinter dem Ruder stand. Hätte er besser mal nach vorne geschaut, anstatt sich seinen Sack zu kratzen. Die deutsche Flagge zierte jedenfalls sein Heck. Ich kann mich für meine Landsleute auch fremdschämen.

Das 888-Buchten-Buch von Herrn Beständig gab uns gute Tipps für die Suche nach einem schönen Platz. Zwischen den Inseln Ciovo und Sveta Fumija wurden wir fündig und schon im fünften Versuch konnten wir den Anker sicher einfahren.

Ankerplatz bei Sveta Fumija

Ankerplatz bei Sveta Fumija

Außer uns lagen schon drei oder vier andere Schiffe vor Anker. Da wir noch eine Geburtstagsfeier planten, legten wir uns so weit wie möglich von den anderen weg. Andere Seite der Bucht. Andere Insel. Außerdem hat unser Anker an den anderen Stellen sowieso nicht gehalten….

Ankerbucht Sveta Fumija

Ankerbucht Sveta Fumija

Die Crew ging baden. Wir haben noch ein paar RIndskotletts im Kühlschrank gefunden und zubereitet. Das Bier war kalt und so konnten wir auf den Sonnenuntergang warten.

Abendstimmung

Abendstimmung

Ich will nicht so viel über den Abend schreiben. Den behalten wir für uns. Ich sage nur so viel, dass ich gegen Mitternacht auf dem Nebelhorn geblasen habe und danach legten wir sehr viel 80er Jahre Musik auf. Ein schöner Tag. Eine schöne Nacht. Gegen 3:30 Uhr im Bett gewesen.

Tagesleistung: 41,5 nm

Tag 3: Split
Sveta Fumija bis Split

Der Morgen begann in Zeitlupe. Der Kaffee wurde und wurde nicht fertig. Erst ein Morgenbad hat die Crew wieder etwas zu den Lebenden zurückgebracht.

Morgenbad vor Sveta Fumija

Morgenbad vor Sveta Fumija

Das ist aber auch nicht so schlimm. Von Sveta Fumija bis Split sind es gerade einmal zwei Stunden unter Motor. Den brauchten wir auch, denn der Wind hatte sich an jenem Tag einfach mal komplett von uns Urlaubern verabschiedet. Nachdem er zwei volle Tage geblasen hat, durfte er das auch.

Alle sind topfit von der Geburtstagsfeier!

Alle sind topfit nach der Geburtstagsfeier!

Die Hängepartie hatte in dem Moment ein Ende, als wir in Split in den Hafen eingefahren sind. Das ist schon ein sehr schönes Panorama, das man dort bei der Einfahrt sehen kann. Wir haben uns sehr gefreut, fast ohne Motornutzung von Zadar nach Split zu kommen. Die langen Etappen sind wir gesegelt, auf den kurzen Stücken durfte der Volvo Penta aushelfen.

Die Altstadt von Split

Die Altstadt von Split

Nach der Einfahrt in die fast leere ACI Marina bekommen wir vom Marinero einen Anschiss. Warum wir nicht auf Kanal 17 angefunkt hätten. Wir verzichteten auf die platte Erwiderung „weil wir es konnten“ und gaben ihm die Schiffspapiere. Unsere Stimmung war viel zu gut, als dass wir uns durch so einen Anschiss aus dem Konzept bringen lassen würden.

Unser Platz in der ACI Marina Split

Unser Platz in der ACI Marina Split

Alle haben geduscht und frische Klamotten angezogen. Dann ging es mit dem Wassertaxi von der Marina in die Altstadt, wir wollten Sightseeing machen und ein Geburtstagsessen zu uns nehmen (Kosten pro Nase für Hin- und Rückfahrt 50 kn).

Die Kalypso in der Marina in Split

Die Kalypso in der Marina in Split

Während der Fahrt mit dem Wassertaxi kamen wir an der Kalypso vorbei und ich konnte endlich das Versäumnis, noch gar kein Bild vom eigenen Schiff gemacht zu haben korrigieren.

Viele Touris in der Altstadt von Split

Viele Touris in der Altstadt von Split. Wir gehören dazu!

 

So viele Menschen haben wir seit zwei Tagen nicht auf einem Haufen zu sehen. Überall gibt es Andenkenläden, Restaurants, Geldautomaten und Kneipen.

Stadtmauer

Stadtmauer, Läden, fliegende Händler

Auch vor der Stadtmauer kann man sein Geld loswerden, denn Klamottenstände und Hutstände und Postkartenstände gibt es hier wirklich überall. Wir schafften es, den meisten der Versuchungen zu widerstehen. Lediglich das Pivo konnten wir nicht lassen.

Restaurant mit wahnsinnig gutem Oktupus

Restaurant mit wahnsinnig gutem Oktupus

In einer der Seitenstraßen fanden wir ein kleines Restaurant, das uns mit einer handgeschriebenen, kleinen Speisekarte überzeugt hat. Wir hatten leckeren Oktopus und gegrillte Dorade. Es war fantastisch!

Anschließend senkte sich die Abenddämmerung über die Stadt. Wir zogen noch ein wenig um die Häuser und genossen die Stimmung.

Abenddämmerung

Abenddämmerung in Split

Nach dem Gelage am Vorabend waren wir schon so einigermaßen platt. Die gefühlte Uhrzeit war deutlich später als das, was die Zeiger unserer Uhren so verkündeten. Also beschlossen wir, vor der Rückkehr zum Schiff noch einen Absacker am Hafen zu nehmen. Dabei konnten wir die aufgetakelte Damenwelt betrachten, die sich an der Promenade promenierte.

Absacker an der Promenade

Absacker an der Promenade

Gegen 22 Uhr fuhr uns das Wassertaxi wieder in die Marina. Der Abend dauerte dann nicht mehr lange an. Es reichte gerade noch dazu, mit den Worten „wir sind aus Frankfurt“ die polnische Crew gegenüber am Steg zu verblüffen. Die hatten nämlich ihr Frankfurt/Oder vor dem geistigen Auge, wo sie nur wenige Kilometer entfernt wohnten. Den Flautentag haben wir jedenfalls gut herumgebracht.

Tagesleistung: 9,1 nm (Motor)

Tag 4: Alarm in der Nacht!
Split bis Zirje

Der vierte Tag begann, wie der dritte Tag aufhörte. Es gab keinen Wind. Dennoch fuhren wir zeitig aus der Marina heraus, denn wir erwarteten, dass der Wind an der nächsten Ecke wiederkommen würde.

Große Pötte liegen Seite an Seite vor Split

Große Pötte liegen Seite an Seite vor Split

Zunächst aber fanden wir die Erklärung für viele merkwürdige Geräusche, die wir am vergangenen Abend gehört haben. Es sind zwei Kreuzfahrer hereingekommen. Unsere Kalypso war natürlich ein Fliegenschiss auf dem Meer, wenn man sie mit den „Großen“ verglichen hat. Aber unsere Bordküche war mindestens genauso gut.

Panorama mit Altstadt

Panorama mit Altstadt

Je weiter wir uns von der Hafenausfahrt entfernten, desto mehr Wind konnten wir sehen. Zunächst nur bei einzelnen anderen Schiffen am Horizont. Dann kam die Brise zu uns. Wir warteten nur wenige Minuten, dann standen auf dem Windmesser 10 kn Wind. Das genügte uns, die Segelgarderobe wieder einmal komplett hinauszuziehen.

Stille zog ein, wir konnten wieder das Segeln genießen.

Segelwind

Segelwind

Beeindruckend war die Schräglage des Regattaseglers (hier in der BIldmitte), der seine Crew auf die hohe Kante geschickt hatte. Er pflügte durch das Feld der Wohnmobilsegler einfach hindurch.

Im Laufe des Nachmittags nahm der Wind mehr und mehr zu, wir gingen ins erste und zweite Reff. Außerdem war schlechtes Wetter für die Nacht vorhergesagt, der Wind sollte von NE auf SE drehen. Regen und eventuell Gewitter waren außerdem noch angekündigt.

Zirje, Vela Stupica

Zirje, Vela Stupica

Nach Konsultation des Standardwerks von Herrn Beständig entschloss ich mich, in die Bucht Vela Stupica auf Zirje zu fahren. Hier befindet sich ein großes Bojenfeld. Die Windrichtung drückte zwar ein wenig Schwell in die Bucht, wir fanden jedoch eine einigermaßen geschützt liegende Boje und fingen sie gleich im ersten Versuch ein.

Wir fangen inzwischen mit immer mehr wachsenden Schiffen die Bojen von hinten, um das Schiff anschließend mit den Leinen umzudrehen. Das Manöver klappt inzwischen leidlich. Für die 200 kn Bojengeld gab uns der Kassierer zwar keine Quittung, dafür aber den Ratschlag, die recht langen Leinen zur Boje zu verkürzen. Das wollte ich wirklich nicht, denn ich konnte sehen, wie die anderen Schiffe im Wellengang immer wieder ihre Bojen einen halben Meter oder noch weiter aus dem Wasser hoben. Irgendwie habe ich eine panische Angst davor, den Mooringblock zu versetzen, wenn mein Schiff noch daran hängt.

Ein Ankeralarm für die Nacht rundete mein Setup ab. Wenn sich das Schiff mehr als 50 Meter von der Boje entfernt, sollte mein GPS neben dem Kopfkissen feuern. Das tat es dann auch – mitten in der Nacht im strömenden Regen.

Alarm!!! Ich war innerhalb weniger Sekunden im Cockpit und stellte fest, dass wir immer noch mit der Boje verbunden sind und die Boje anscheinend auch mit ihrem Mooringblock. Das Schiff hatte sich gedreht, lag wesentlich ruhiger als vorher und irgendwie immer noch in einer Reihe mit den anderen Schiffen. Also wieder ins Bett, falscher Alarm.

Tagesleistung: 34,8 nm

Tag 5: Gewitter, Regen und Motorfahrt
Zirje bis Uvala Dugovaca

Regen

Regem

 

Regen, Regen, Regen. Dazu lagen die Wolken auf dem Wasser. Überall nur Regen. Wir krochen aus unseren Kojen, bauten uns mit einem starken Kaffee wieder auf und begannen mit dem Leben nach der Gewitternacht.

Beim zweiten Kaffee und nach einer Drehung unseres Schiffs um 90° machte ich eine erschreckende Entdeckung. Der Ankeralarm in der Nacht war doch nicht so ganz ohne Grund losgegangen. Unser Heck lag ziemlich dicht unter Land. Das Echolot, das gestern Abend noch 16 Meter Wassertiefe angezeigt hat, zeigte am Morgen noch 8 Meter. Und wie gesagt – wenn das Land am Abend so nah an der Boje gewesen wäre, hätten wir eine andere Boje gefischt.

Dicht unter Land

Dicht unter Land

Das GPS-Gerät gab uns dann auch die Antwort. Unsere morgendlichen Koordinaten lagen über 40 Meter von den Koordinaten entfernt, an denen wir abends die Boje gefischt haben. Offenbar haben alle Vorsichtsmaßnahmen nichts genutzt, wir haben die Boje verschoben. Das ist scheiße!

Also nichts wie raus aus dieser Bucht. Lieber fahren wir bei Regen ohne Wind unter Motor, als noch ein paar unnötige Stunden an diesem Ort zu verbringen. Wir machten uns regenfertig.

Ölzeug

Ölzeug

Draußen regnete es. Die Sicht war gering. Wir mussten zwei Personen ins Cockpit stellen, um Ausguck zu halten, während sich der niemals müde werdende Kollege Ray Marine um den Kurs kümmerte.

Nach einer Stunde im Gewitterregen war die Zeit zu lang, die Crewmitglieder brauchten Ablösung. Also stellten wir uns im Wechsel in die Wasserfluten und versuchten, keinen der Steinhaufen zu übersehen.

Ausguck halten ist bei diesem Wetter mehr als Pflicht!

Ausguck halten ist bei diesem Wetter mehr als Pflicht!

Da wir zwischenzeitlich von drei Gewittern um uns herum mit Blitzen beschossen wurden, bestand die akute Gefahr, dass das blöde Gewitter auch einmal einen Treffer landet. Immer nur mit den elektronischen Kumpanen zu navigieren mag bei schönem Wetter ja angehen, aber in diesem Fall haben wir die Position brav auf der Papierkarte mitgeplottet. Sicher ist sicher!

Navigator

Navigator

Zum Glück wurde der Regen immer weniger, je weiter wir uns von Zirje entfernten. Die Gewitter waren irgendwie ziemlich stationär. Naja, es gab ja auch keinen Wind, der die Gewitter hätte wegblasen können.

Der Regen hat sich verzogen

Der Regen hat sich verzogen

Wir ließen uns bei der Suche nach einer geeigneten Ankerbucht mal wieder von Herrn Beständig beraten. Da Split Radio nochmal eine Starkwindwarnung herausgab für die Nacht, die ich auch mit Hilfe von Windfinder gegenchecken konnte, wollte ich keine Boje mehr, sondern ein solides Eisen in solidem Grund, mit mindestens 2000/min einzufahren.

Eine geeignete Gelegenheit fanden wir am Festland in der Bucht Uvala Dugovaca. Allerfeinster Sandgrund, in dem der Anker im ersten Versuch perfekt hielt. Super!

Uvala Dugovaca

Uvala Dugovaca

Natürlich war diese Bucht nicht so abgelegen, wie die an den vorherigen Tagen besuchten Buchten. Dafür war der Ankergrund aber prima und wir konnten sogar noch anderen Schiffen bei ihren Versuchen zusehen, einen Anker in den Grund zu bekommen. Ankerkino gratis.

Ankerbucht

Ankerbucht

Unser klassisches Captains-Dinner mit Entenkeulen, Kartoffelgratin und Schokoladendessert haben wir genossen. Ohne die französischen Entendosen sind wir gemeinsam noch keinen Meter gesegelt. Gute Traditionen gilt es zu bewahren. Die Abendstimmung war an jenem Abend auch besonders schön!

Abendstimmung

Abendstimmung

 

Tagesleistung: 19,6 nm (Motor)

Tag 6: Absegeln und Rettungswestentest
Uvala Dugovaca bis Zadar

Am letzten Tag hatten wir nur noch ca. 16 Meilen vor uns und erwarteten auch einen anständigen Segelwind, der uns bis Zadar schieben sollte. Deswegen konnten wir uns mit dem Frühstücken Zeit lassen und auch noch einmal ins Wasser springen. Dabei reifte bei Christoph die Idee, er müsse seine Rettungsweste einmal ausprobieren. Niemand von uns hat bisher einer Automatikweste dabei zugesehen, wie sie sich aufgeblasen hat.

Durch das Regenwetter ist die Wassertemperatur gefallen!

Durch das Regenwetter ist die Wassertemperatur gefallen!

Als erstes ging ein Schwimmer ins Wasser. Jens wollte die orangene Feststoff-Rettungsweste mal ausprobieren, die vom Vercharterer ins Schiff gelegt wurde. Die Weste von Christoph musste sowieso zur Wartung, der Aufkleber war ein Jahr abgelaufen. Ich hätte das auch mit meiner eigenen gemacht, brauchte diese aber drei Wochen später noch einmal für einen anderern Törn.

Rettungswestentester

Rettungswestentester

Vom Aufblasvorgang habe ich ein Video angefertigt, das ich irgendwie noch kleinschneiden und in diesen Beitrag einfügen muss. Ansonsten hat die Weste innerhalb weniger Minuten das getan, was sie tun sollte. Das schaffte Vertrauen, insbesondere unter den Crewmitgliedern, die bisher wenig gesegelt sind in ihrem Leben.

Zurücksegeln nach Zadar

Zurücksegeln nach Zadar

Mit leichtem Wind (2-3 Bft) aus raumen Richtungen glitten wir gemütlich in Richtung Zadar. Für mich war es einigermaßen wichtig, so früh zur Tankstelle zu kommen, dass wir nicht allzu lange im Hafenbecken Kreise drehen mussten.

Allein der Wunsch war Vater des Gedankens. Wir waren das vierte Schiff in der Schlange und konnten nach nur 20 Minuten Wartezeit mit einem vollen Tank zu unserem Liegeplatz fahren.

Warten an der Tanke

Warten an der Tanke

Den Abend ließen wir ausklingen wie den ersten Abend, nämlich im Restaurant Marco Polo. Die Rückgabe des Schiffs an den Vercharterer war so unproblematisch wie die Übernahme. Am Schiff war nichts wirklich kaputt, lediglich die Dichtungen der Fenster waren dem Starkregen nicht so ganz gewachsen.

Tagesleistung: 19,9 nm

Gesamtstrecke: 158 nm, davon ca. 118 gesegelt. 38 Liter Diesel getankt.

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