Zwei Wochen in Schottland (2014)

Schottland, mein Segeltraum. Schottland, mein Albtraum.Vor zwei Jahren waren wir als Fünfergruppe in Schottland unterwegs. Wir kannten uns schon einige Jahre und waren uns sicher, daß wir das große Los gezogen haben. Der Skipper mit einem Vierteljahrhundert Segelerfahrung auf dem Buckel, war schon einmal an der Nordwestküste Schottlands gewesen. Unsere in der Dunstaffnage-Marina gecharterte Yacht krachte damals schon am ersten Tag gegen das Riff, das in der Einfahrt der Craighouse Bay (Jura) liegt. Wir fuhren einen Fischer fast über den Haufen (O-Ton Skipper „der fischt nicht, der muß ausweichen“) und in Tobermory drehte sich unser Dinghi (mit angebautem Motor) um, eine Gasexplosion (durch den Skipper initiiert) erschütterte wenig später die Yacht. Einen Tag später flüchtete der Skipper, wir mußten dem Vercharterer dann alles erklären.Diese Geschichte erzählte ich meinen Mitreisenden im Auto auf dem Weg nach Amsterdam, wo wir uns auf der Fähre nach Newcastle mit der anderen Hälfte der Crew treffen wollten. Lustigerweise war ihnen die Geschichte schon bekannt, der Vercharterer hatte sie ihnen ein Jahr vorher erzählt. So bekannt bin ich also in Schottland. :DDer Törn startete wie so viele mit einem großen Eintrinken an Bord der Fähre, dem obligatorischen Kater am Morgen danach und einer Fahrt durch die Highlands bis nach Oban und zur Marina, wo wir eine Westerly Oceanlord übernahmen, ein 41 Fuß langes und 21 Jahre altes Schiff. Die Maximalbelegung mit 10 Personen ist dort sehr, sehr knapp. Schon mit sechs Personen konnten wir kaum alle gemeinsam im Center-Cockpit sitzen. Ansonsten schätze ich Produkte dieser Werft sehr, die unversenkbare Clear Blue auf dem Törn zwei Jahre vorher kam auch aus dieser Werft. Der Nachteil eines so alten Schiffes ist eher der, daß alles ein wenig angegammelt und angeschimmelt ist. Dafür segelt sie sehr gut.Eine ausführliche und unproblematische Übergabe durch den Vercharterer David fand statt. Die Unterlagen sind auf einem aktuellen Stand und David legt auch sehr viel nützliche Literatur aus dem Bereich der Yachtmaster-Ausbildung auf seinen Schiffen aus – immerhin finden bei ihm auch immer wieder praktische Prüfungen statt.Soviel zum ersten Abend, abschließend haben wir im Cockpit viel in Deutschland gekauften schottischen Whisky genossen. Die Alkoholsteuern auf der Insel vermiesen einem echt den Einkauf. Die Tabaksteuern sind übrigens auch sehr hoch – die Crew bestand aus drei Nichtrauchern und drei Rauchern. Dazu später aber mehr… :D

Da zwei der Mitsegler auf dem ersten Segeltörn ihres Lebens waren und es außerdem der Morgen des 13. Juli 2014 war, planten wir für den ersten Tag nur einen kurzen Schlag bis nach Craobh Haven. Dort gibt es nämlich eine Marina, einen Pub und in diesem Pub ein (!) Farbfernsehgerät, das natürlich am Abend auf das einzig wichtige Programm eingestellt sein mußte. Endspieltag der Fußball WM :D :D :D An allzu viel von diesem ersten Tag erinnere ich mich nicht mehr. Wir haben den Schotten ein Wort „Schland“ beigebracht, die haben auch alle kräftig mitgerufen – waren die Deutschen es doch, die vor vier Jahren die Engländer nach Hause geschickt hatten. Die Worte „congratulations to the cup“ konnten wir im Laufe des Urlaubs noch oft hören.

Der nächste Tag sollte uns nach Islay bringen, aber es kam dann anders…


Am folgenden Morgen erwachte ich mal wieder verkatert. Wir sind weltmeister. Wir haben mit Schotten getrunken. Wir wollen los – ich konnte mich gerade noch in die Dusche verholen, dann ging es schon aus der Marina heraus. Meinen Kaffee konnte ich mir ja auch nach der Abfahrt einflößen. Dachte ich. Den Sound of Jura blies ein ordentlicher 5er Wind entlang – leider genau aus SSW, also auf unsere Nase. Also wurden es ziemlich viele Schläge… Die Wellen wiederum schienen einerseits durch den Wind gespeist, andererseits durch die ablaufende Tide wieder gebremst? Ich habe keine Ahnung warum, aber die See erinnerte mich mehr an die Ostsee als an den Atlantik.

Im Laufe des Vormittags verschwand der Kater dann Stück für Stück. Dafür setzte ein schöner schottischer Regen ein, die Crewmitglieder im Cockpit packten sich alle nach und nach in ihre Regenklamotten ein. Ich beschloß für mich, daß ich den Regen nicht brauche und lieber unten auf der Seekarte ein Schläfchen mache. Die beiden Neulinge beschlossen für sich, daß sie die Mitarbeit beim Segeln weitestgehend einstellen und stattdessen die Fische mit ihrem Frühstück füttern wollen. Naja, „wollen“ ist vielleicht eine Lüge.

Dank der vielen Wenden stellte sich langsam aber sicher wieder die Routine ein, die einem fehlt, wenn man fast ein Jahr nicht mehr an Bord eines Segelboots gewesen ist.

Unser Skipper war die Ruhe in Person. Vielmehr die ruhende Person. Das ist etwas, was ich mir unbedingt für mich abgucken muß. Solange es keine echten Probleme gab, lag er am liebsten auf einer der beiden Salonbänke, um seinen Schönheitsschlaf nachzuholen. „Ich schlafe langsam, ich brauche 18 Stunden für meinen 8-Stunden-Schlaf!“ Nachdem er zum zweiten oder dritten Mal unsanft von einer Welle auf den Boden des Salons befördert wurde, entschied er sich dann doch zum Reffen.

Hier ein Einschub meinerseits zum Thema iPad-Navigation. Es war cool, die Einfahrt in die Marina am ersten Abend mit dem iPad zu machen. Oder die Durchfahrt durch den Firth of lorn. Das war so lange cool, bis das iPad am zweiten Tag eine Ladung Seewasser (na gut, es waren nur ein paar Spritzer) abbekommen hat. Der Kartenplotter unten ist mit dem Schiff verschraubt, man braucht keine Dreifinger-Gesten zur Steuerung und Seewasser bekommt er da unten auch nicht ab. IPad ist mehr was für gutes Wetter.

Silencer

Silencer in Craighouse Bay

Also war die Situation wiefolgt: Fünf von sechs Crewmitgliedern weitestgehend durchnäßt, davon noch zwei reichlich seekrank. Somit entschieden wir uns dafür, Islay für diesen Tag zu streichen und stattdessen die Craighouse Bay auf Jura anzulaufen. Das ging dann noch mit zwei weiteren Schlägen. Von meinem vorherigen Besuch kannte ich die Einfahrt natürlich noch sehr gut, immerhin sind wir mit 5,5 kn auf das gut kartographierte Riff in der Einfahrt gerauscht. Diesmal klappte das alles natürlich schmerzfrei, wir fischten eine freie Boje und langsam aber sicher kam Ruhe in das Schiff.

Im Laufe des Abends drehte der Wind sogar noch ein wenig nach West, wir lagen immer ruhiger. Die beiden Seekranken nahmen wieder ein wenig am Bordleben teil, das Abendessen war lecker und der Whisky natürlich auch. Für mich war es ein genialer Segeltag, immerhin konnten wir um die 50 nm fressen und mein Craighouse-Trauma ist damit praktisch auch verarbeitet.


Dienstag, 15. Juli. Es ist ein Tag zum Wunden lecken. Die beiden Seekranken waren wieder auf den Beinen, die Sonne schien freundlich auf die Destille und der Wind war praktisch eingeschlafen. Frühstück. Auf diesem Törn habe ich gelernt, daß es nicht viel gibt, war mir auf Segelbooten Übelkeit verursacht. Da kann die Hacksee die Crew im Salon durchschütteln, als würden Spielsüchtige mit dem Würfelbecher arbeiten – kein Problem. Ich überstehe das sogar auf nüchternen Magen. Mir war aber nicht klar, daß ich den Geruch eines Full Scottish Breakfast vor dem ersten Kaffee nicht vertrage. Mir war übel.

Laphroaig Distillery

Einen halben Liter Kaffee und ein Continental Breakfast (Marmeladenbrötchen) später ging es mir wieder gut. Derweil drängte der Skipper zum Aufbruch, schließlich lockte um die Ecke die Whisky-Glückseligkeit, das Heilige Land – Islay. Geplant war die Übernachtung an einer Boje in der Lagavulin Bay, direkt gegenüber von der Destille.

Die Grünen lassen wir an Steuerbord?

Die Grünen lassen wir an Steuerbord?

Schon fünf Stunden später hatten wir 15 nm mehr auf der Logge. Der Wind war wirklich sehr schwach und irgendwann schien es so, daß wir jeden Meter, den wir auf die Insel zufahren, wieder von der Gezeitenströmung zurückgedrückt werden. Es folgte die Ansage „wenn wir den Motor anwerfen, sind wir in einer Stunde da, wenn wir weiter auf den Wind setzen, brauchen wir noch wenigstens fünf Stunden.“ Keiner von uns hatte mehr Lust auf die blöde Sonne, die uns doch nur die Haut verbrannte. Es wollte auch niemand baden, denn aufgrund der langen Warmphase war der Atlantik übervoll mit großen Quallen in allen Leuchtfarben.

Genervt hat uns die ganze Zeit die Wettertante im Funk. Die vermeldete nämlich beharrlich für den folgenden Tag 7 bft mit 8er Böen. Skipper Philip entschied sich folgerichtig dafür, nicht zu Lavulin, sondern nach Port Ellen in die Marina zu fahren. Ich finde es schade, ich will irgendwann in diesem Leben noch an die Boje vor Lagavulin, aber der Skipper hat in solchen Fragen natürlich immer Recht. (Hätte ich selbst auch nicht anders entschieden.)

Also planten wir einen Landtag für den Mittwoch und setzten zum Landeanflug auf die Marina an. Da der starke Wind aus westlichen Richtungen kommen sollte, wollten wir das Schiff rückwärts an den Fingersteg einparken, Bug in die erwartete Windrichtung. Philip versuchte es ein paarmal, es gelang ihm nicht so recht. Er fragte mich dann, weil das ja in Kroatien (dem von mir häufigst besegelten Revier) üblich ist. Natürlich kann ich rückwärts einparken – ich war total stolz, mit dem mir unbekannten Boot aufs erste Mal die Box zu treffen, niemanden dabei zu verletzen und nichts kaputt zu machen. :)

Port Ellen Marina mit Fähre

Wir haben das Schiff ordentlich sturmfest vertäut, dann standen Philip und ich davor und irgendwas kam uns komisch vor. Wir wußten aber nicht, was es war. Die anderen fanden es gut und wie von Zauberhand stand plötzlich eine 5-Liter-Kölschdose im Cockpit. Ein schönes, großes Anlegerbier :D

Unsere Oceanlord in Port Ellen

Unsere Oceanlord in Port Ellen

Da es um diese Jahreszeit in Schottland praktisch nicht dunkel wird, saßen wir noch lange bei schönem Wetter im Cockpit. Einer nach dem anderen ging duschen. Dort entdeckte ich dann, was wir am Vortag für einen tollen Wind hatten. Mein Körper war voll mit den üblichen blauen Flecken.


Islaytag. Wir erwarten den Sturm und sind fußläufig entfernt von drei namhaften Destillen. Marinatag. Es gibt Duschen (für 3 GBP) im Gästehaus nahe der Marina. Wir lassen viele Pfunde in diesem Gästehaus.

Bauschild Gartbreck Distillery

Bauschild Gartbreck Distillery

Die Gruppe teilt sich auf. Ein Teil möchte sich die in Bau befindliche Gartbreck Destillery ansehen – vom Bauzustand her eine Enttäuschung. Mehr als das Bauschild haben sie noch nicht geschafft. Die Busfahrt nach Bowmore war lustig. Der andere Teil der Gruppe spaziert nach Ardbeg, Destillery Tour und Mittagessen.

An Bord hat sich die Crew ein wenig zurechtgerückt. Fünf Leute kannten sich ewig, einer war neu. Ein Ehepaar. Eine Frau. Der zweite Törn als Skipper für den Skipper. Eine ewige Männerfreundschaft zwischen Skipper und einem weiteren Crewmitglied.

Dies wird einmal eine Destille!

Dies wird einmal eine Destille!

Zwei davon auf dem ersten Segeltörn ihres Lebens. Insgesamt sechs Personen – da kann es scheppern und natürlich hat es gescheppert. Ich ziehe den Hut vor Skipper Philip, wie er die Situation angegangen ist.

Landschaft bei Gartbreck

Landschaft bei Gartbreck

Umzüge an Bord sind die Folge, werden aber gern durchgeführt – es soll ja Urlaub bleiben.

Nach dem Islaytag sammeln wir uns mehr oder minder zeitgleich am Schwimmsteg. Zwischen dem ersten und dem letzten eintreffenden Crewmitglied lag keine Viertelstunde. Irgendwie haben wir auf der Insel zwischen Haddock und Haggis nicht gemerkt, wie der Sturm gepfiffen hat. Der Steg tanzt auf den Wellen und wir stehen vor der Oceanlord. Es fühlt sich an, als würde der Steg irgendwo auf den Grund krachen.

Es kam uns schon gestern Abend komisch vor, jetzt wußten wir, was es war. Wir haben bei der Befestigung des Bootes auf Wind von Osten geachtet. Der Sturm hielt sich an die Vorhersage und kam aus West. Holzspäne des Stegs am Heckspiegel wiesen darauf hin, daß 0,75 m Abstand zu wenig sind. Das Schiff unterfuhr den Steg und krachte von unten dagegen. Oder der Steg von oben. Oder so, jedenfalls laut. Um einen Meter vorwärts zu fahren, mußten wir den Motor anlassen. Zwei Stunden später war der Spuk vorbei.

alcohol

Auch auf Islay gilt: Kein Alkoholgenuß in der Öffentlichkeit (bzw. auf öffentlichen Straßen). Schön ist nur, daß es auf Islay im Prinzip jedem egal ist. Und wenn Polizisten vom „Festland“ da sind, weiß es sowieso jeder auf der Insel.

fouling

Gilt übrigens auch für Hundeschiss…

Bei leckerem Whisky von der Insel planten wir den nächsten Schlag. Knappe 90 nm lagen vor uns, wir wollten nach Barra. Ich war schon einmal in Castlebay. Damals kamen wir bei 12°C im Nieselregen an. Unser Ankerlicht war kaputt und die wichtigste Aktion, an die ich mich erinnere, war das Wechseln der Glühbirne. Ich war an der Winsch. Wir durften damals auf Geheiß unseres Skippers das Dinghi nicht für einen Landgang benutzen. Die Begründung habe ich nicht mehr parat. Deswegen freute ich mich auf Barra.


Donnerstag, 17. Juli. Wir haben einen Plan, wir fahren nach Barra. Außen um Islay herum. Im örtlichen Internetcafe in Port Ellen haben wir noch Wetterdaten gesaugt, was das Zeug hält. Auf den äußeren Hebriden ist die Versorgung mit Internet und GSM nicht mehr so üppig.

Geplant ist eine späte Abfahrt auf Islay, damit wir in den wenigen dunklen Stunden mitten auf dem Meer sind und auf jeden Fall bei Tageslicht ankommen. Moment – da war noch was. Was meint der Wetteronkel von Belfast denn mit einer „small crafts warning“? Damit sind wohl wir gemeint.

Irgendwann in der Nacht sollte es einen Nachschlag zu unserem Islay-Sturm geben. Für die Oceanlord sicherlich kein Problem, der Vercharterer meinte bei der Übergabe noch „category 1, you may go anywhere at any conditions“. Weniger gut sah es für die beiden Crewmitglieder aus, die am zweiten Tag seekrank geworden sind. Kurze Schläge auf glatter See wären ihnen am liebsten.

Barra fällt also aus. Obwohl wir mit Halbwindkurs hätten hinfahren können. Zunächst stand dann Iona auf dem Plan, später Tiree und dann Colonsay oder gar Loch Harport auf Jura. Auf Tiree gibt es keinen Ankerplatz für die erwartete Windrichtung, Jura ein zu großer Umweg und Colonsay ist zu wenig Platz. Also doch Iona.

Leuchtturm bei Port Charlotte, wir haben ihn stundenlang gesehen.

Leuchtturm bei Port Charlotte, wir haben ihn stundenlang gesehen.

Wir segelten und segelten und segelten. Es war ein Traum. Anfangs kamen wir aufgrund der Gegenströmung kaum um Islay herum. Fast zwei Stunden segelten wir vor Port Charlotte. Dann kippte die Tide und die Strömung half uns. Zwischenzeitlich wagten wir die Planung, am einzigen Ankerplatz an der Nordspitze von Islay zu übernachten, verwarfen diese aber wieder. Stattdessen segelten wir, die grünen Bergspitzen von Jura ständig vor Augen.

Ich hatte endlich den Spaß, einmal eine Mahlzeit auf See zuzubereiten. Beim Essen hatten wir das Vergnügen, einen kleinen Wal (oder großen Delphin?) zu sehen. Der war wesentlich flotter unterwegs als wir.

Anschließend hieß es weiterhin, den Nordkurs für ein paar Stunden zu halten. Derweil näherte sich die Sonnenscheibe mehr und mehr der Wasseroberfläche. Die übrige Crew hielt eine zweite warme Mahlzeit auf See für unnötig, also gab es eine zünftige Brotzeitplatte. Irgendwann wurde es doch dunkel. So dunkel, daß wir sogar die Beleuchtung eingeschaltet haben.

Angesichts des an Bord herrschenden Strom-Notstands entschlossen wir uns, die letzte Stunde unter Motor zu laufen. Auf Iona gibt es ein paar Bojen, die (nach Karte) auf zu wenig Wassertiefe liegen. Der Skipper wollte dennoch hin, er kannte die Bojen und meinte, daß die Tiefe reicht. Ich wäre da nicht hingefahren. Wir fischen die am weitesten vom Land entfernte Boje, der Motor wurde abgestellt und auf dem Tiefenmesser waren noch 80 cm Wassertiefe unter dem Kiel. Paßt. Wir haben Niedrigwasser. Es ist 2:30 Uhr, aber nicht zu früh für den verdienten Ankerschluck.

Strom-Notstand… warum eigentlich? Kühlschrank, ist klar. Autopilot hat die Oceanlord nicht. Ein riesiger Zoo aus elektrischen Geräten (zwei Macbooks, zwei iPads, drei iPhones, unzählige Digitalkameras und elektrische Zahnbürsten) wollte gefüttert werden. Und dann hatten wir noch ein Crewmitglied, das eine Apnoemaske brauchte. Wer es nicht kennt, guckt bei Wikipeter. Die Batterien waren sicher nicht ganz taufrisch und es kam uns immer vor, als wären sie fast leer. Der Strombedarf war so hoch, daß später sogar beim zweistündigen Zwischenstop in Tobermory das Landstromkabel ausgebracht wurde. Praktisch als erste Leine :)

Der Ankerschluck währte nicht lange, wir krabbelten alle sehr schnell in die Kojen. Es waren dann doch fast 80 nm.


Der angekündigte Sturm lies auf sich warten. „A complex low over the north….“ Irgendwas wird kommen, wir wissen nur noch nicht wann oder wie. Nach der halben Nachtfahrt war das Frühstück entsprechend spät angesetzt. Das Tagesprogramm sah auf der einen Seite einen Landgang auf Iona vor, auf der anderen Seite noch ein paar Segelstunden bis zur nächsten Ankerbucht – nur etwas mehr als 20 nm. Lockeres Nachmittagssegeln.

Unser Skipper sitzt im abfahrbereiten Dinghi.

Unser Skipper sitzt im abfahrbereiten Dinghi.

Das Dinghi wurde aufgeblasen, es kam erstmals zum Einsatz. Unser Skipper lies es sich nicht nehmen, in seinen Badelatschen den Reifendruck zu messen. :D

Zu Wasser lassen, Motor montieren – fertig. Ich dachte an meinen Krimi und meldete mich freiwillig zur Ankerwache. Der Wind war inzwischen ein satter 5er mit 6er Böen. Auflandig. Unser Skipper wurde zum Fährmann auserkoren. Er durfte die Crew an Land schaffen, ein Ankerbier trinken und auf den Rücktransport warten.

Auch die erste Fahrt mit dem Motor läuft hervorragend. Der Müll wird an Land transportiert...

Auch die erste Fahrt mit dem Motor läuft hervorragend. Der Müll wird an Land transportiert…

Die erste Fuhre war schon an Land, die zweite Fuhre unterwegs und ich machte es mir mit meinem Buch im Cockpit bequem. Das Dinghi kam nicht zurück. Jedenfalls eine Dreiviertelstunde nicht.

Und noch funktioniert der Motor!

Und noch funktioniert der Motor!

Der Motor hochgeklappt, die Paddel im Einsatz. Hmmm… Die Sollbruchstelle war gebrochen. Zwischen der Propellerwelle und dem Propeller.

Da wir sehr dicht unter Land lagen, konnten wir das Dinghi für die zweite Fuhre an der Ankerleine des Heckankers an Land treiben lassen – dem nun stabilen, auflandigen 6er Wind sei Dank. Das Einholen der Leine erbrachte mir anschließend einen schönen Muskelkater, obwohl wir zu zweit gezogen haben. Nach der Aktion machten wir uns seeklar.

Das nennt man im Büroalltag glaube ich "zurückrudern"... :D

Das nennt man im Büroalltag glaube ich „zurückrudern“… 😀

Nach dem Abwerfen der Boje ging es weiter gen Norden Richtung Staffa und Gometra. Da ich inzwischen mit der Karte verwachsen war (ich bin ein Kartentyp), fragte mich unsere Küchenfee, wie der zu erwartende Seegang sein würde. Sie wollte Pfannkuchen machen. Ich garantierte ihr für die kommende Viertelstunde (im Kanal, zwischen den Inseln) noch ruhige See, danach ruppiger.

Der Chartervertrag untersagte ein Auslaufen bei mehr als 6 Bft. Als wir die Boje verließen, war es etwa bei dieser Stärke. Nach Verlassen der Landabdeckung merkten wir, daß das dritte Reff vielleicht besser gewesen wäre als das zweite. Der Pfannkuchenteig verteilt sich im Salon. Ein Teller fliegt aus dem gesicherten Schrank an meinem linken Ohr vorbei. Verkleinern der Genua hilft vorerst.

Bei diesem Seegang kann Staffa nur entfernt passiert werden. Wir sind mit über 10 kn unterwegs, wenn man dem Raymarine Glauben schenken darf. Der seekranke Steuermann verliert gelegentlich die Kontrolle. Ein Ritt, der seinen Vergleich sucht. Westerly baute genial robuste Schiffe, die Segel bekommt man einfach nicht ins Wasser, dagegen wehrt sich das Schiff. Ray vermeldet einen 7er Wind mit 8er Böen.

Wir hatten beinahe den Glauben, die Einfahrt der Ankerbucht bei Gometra ohne weitere Segelmanöver zu treffen. Blöderweise meinte Onkel GPS mit COG und dem ganzen Gesummse, daß wir auf einer Reihe Felsen enden würden. Scheißabdrift. Im SKS-Kurs darf man damit rumrechnen, in der Praxis nervt es. Schöner wäre es, man würde geradeaus fahren, wie mit dem Motorrad.

In der Ankerbucht war der Anker bei seinem Ersteinsatz unklar. Waren wir die ersten in der Saison, die ihn benutzt haben? Das führte zu einigen Kreisen. Anschließend leckten wir die Wunden, aßen ein Dreigängemenü und genossen den leckeren Whisky, den dieses Land hervorbringt. Ein unglaublicher Ritt.

Hier ein Blick auf die Kirche von Iona, direkt gegenüber unserer Mooringboje.

Hier ein Blick auf die Kirche von Iona, direkt gegenüber unserer Mooringboje.


Samstag, 19. Juli. Der Sturm ist vorbei. Der Wetteronkel aus Stornoway vermeldet einen Wind von 3-4 Windstärken aus SSE, der später auf SW drehen, abflauen oder stärker werden soll. Ein komplexes Tiefdruckgebiet, über das sie keine ordentliche Wettervorhersage machen können. Mir bleibt diesmal das gebratene Frühstück erspart, denn es sind sowohl Eier als auch der Speck ausgegangen. Brot und Brötchen mit Marmelade und Wurst sind so richtig lecker. :)

Zunächst einmal machten wir etwas Elektrizität mit unserem bordeigenen Kraftwerk, nebenbei brachte uns die Maschine dann nochmal an die Basaltfelsen von Staffa heran. Es war fast kein Wind da, also brauchten wir nicht einmal eine Ausrede für den Motoreneinsatz. Die Fotografen freute es, denn die See war auch ruhig, so daß wir uns auf eine gute Fotografierentfernung an den Felsen herantrauen konnten. Ankern und die Insel besichtigen wollten wir nicht, obwohl es bei den Witterungsverhältnissen möglich gewesen wäre. Wir wollten nicht, weil mindestens drei Touristen-Transportboote an bzw. vor der Insel lagen und wir 50 bis 80 leuchtende Outdoorjacken auf Staffa ausmachen konnten. Wir besichtigen lieber Inseln, die von Vögeln, Schafen und Seehunden bewohnt werden.

Ray verkündet immerhin 7-8 kn Wind, also können wir die Wäsche raushängen. Da wir uns Barra gespart haben, ist viel Zeit da, um zwischen den kleinen Inseln herumzusegeln. Segeln, soweit der Wind für uns ausreicht. Vielleicht reicht es für Coll, vielleicht für Tiree. Oder für einen Ankerplatz zwischen unserer derzeitigen Position und Tiree. Oder irgendwohin halt, wir haben wirklich keinen Druck. Bei drei lauen Windstärken können wir in Zeitlupe die Treshnish Isles und Fladda passieren, auf der anderen Seite tragen sie gemütlich die Landschaft von Mull an uns vorbei. Wir können Halbwindkurs segeln und warten sehnsüchtig auf den vorhergesagten Winddreher, der uns auf unserem Weg Richtung Tiree helfen würde.

Im Cockpit vertrieben wir uns die Zeit mit Gesellschaftsspielen (in der Hauptsache Go und Blokus). Ganz witzig waren immer die Situationen, in denen der Rudergänger so fasziniert auf das Spielbrett geschaut hat, daß er komplett aus dem Kurs gefahren ist und die Segel knallten. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, daß der Skipper ziemlich gut war? Er schlief die meiste Zeit unten im Salon und lies sich eigentlich nur blicken, wenn es notwendig war. Natürlich – wenn der Skipper aufgrund der Lage auf den Boden fällt, wird er etwas unsanft geweckt und schaut mal nach dem Rechten. Aber auch sonst – er läßt die Crew eigentlich alles machen, wenn es nicht gerade gefährlich ist. Verboten sind etwa Dinghifahrten mit zu viel Promille oder die Zubereitung von heißen Suppen, wenn der Herd ständig an den Anschlag der Aufhängung knallt.

Nicht verboten sind Dummheiten. Wenn bei ruhiger See die Pantry nicht gleich aufgeräumt wird, sondern Marmelade, Zucker, Kaffeepulver und ein noch nicht gekneteter Kuchenteig herumstehen, ist es ihm erst einmal völlig egal. Da hatte ich schon andere Skipper… Überholt uns dann eine Fähre und deren Heckwelle räumt das alles auf den Boden, wo es sich zu einer klebrigen Masse verteilt, kommt allenfalls ein Spruch wie „wir haben zwar die Endreinigung bezahlt, aber so können wir das Schiff nicht zurückgeben“. Die Verursacher machen sich dann recht schnell an die Beseitigung der Folgen ihrer Dummheit. :D Ich muß mir für meinen nächsten selbst geskipperten Törn 10% dieser Ruhe zulegen, dann bin ich wahrscheinlich schon eine Zehnerpotenz besser als Skipper. Es ist die Frage, ob ich zu dieser Ruhe kommen kann.

Irgendwann war es soweit, daß wir auch ohne Winddreher Richtung Tiree wenden konnten. Das taten wir dann auch. Wir hätten die Insel besser ausgelassen, denn eine Stunde später verabschiedete sich dann der Wind für den Rest des Tages. Richtung Coll hätten wir wahrscheinlich durchsegeln können und es wäre hinsichtlich der weiteren Planung auch vernünftiger gewesen. Für Tiree sprach lediglich, daß ich noch nicht da war. Die anderen auch nicht. Für uns alle war es also eine neue Insel. 12 Meilen Umweg für einen Ankerplatz in Gott Bay. Es ist dort sehr, sehr schön!

Vom Land wehte der Lärm einer Dorfdisko über den Ankerplatz. Ein Jetski-Fahrer umkreiste uns einmal, dann eilte er wieder davon. Unser Dinghi fuhr mit repariertem Scherstift wieder schön zum Land und das Ankerbier schmeckte. Ein leichter Nieselregen beim Ankern hat sich danach wieder schnell verzogen, so daß wir das Abendessen sogar im Cockpit einnehmen können. Die Windvorhersage für den kommenden Tag verhieß nichts Gutes. 3-4 Windstärken aus SSE, später eventuell ein Dreher nach SW. Haben die den Text vom Vormittag noch einmal abgelesen?

Langsam kommen wir alle zur Ruhe. Ein schöner Segeltag, eine komplette Abwechslung zum Vortag. Die zwei Motorstunden am Ende haben uns genug Strom für kaltes Bier und den IT-Schissikram gebracht.


Sonntag. Wir starten gemütlich in Richtung Mallaig. Unterwegs werden wir den Leuchtturm am Point of Ardnamurchan so nah wie möglich passieren, weil unsere Fotografen einen weiteren Leuchturm sammeln wollen. Auch heute war nicht viel Wind, wir segelten mit 3 kn auf Halbwindkurs. Mehr war nicht drin. Coll gleitet langsam an unserem Boot vorbei. Wir beobachten eine Fähre bei der Fahrt nach Coll, den Be- und Entladevorgang können wir nur erahnen aber die Fähre nimmt alsbald wieder Kurs nach Tiree.

So sehen wir aus, wenn wir uns einem zu fotografierenden Leuchtturm nähern. Alle Fotografen auf einer Seite und dann den Leuchtturm bitte in die richtige Position rücken.

So sehen wir aus, wenn wir uns einem zu fotografierenden Leuchtturm nähern. Alle Fotografen auf einer Seite und dann den Leuchtturm bitte in die richtige Position rücken.

Wenige Stunden später kommt der Leuchtturm in Fotografierreichweite. Er wird aus allen erdenklichen Perspektiven beschossen. Anschließend segeln wir noch ein paar Stunden weiter, immer in der Hoffnung, mit dem Wind irgendwie in die Nähe von Mallaig zu kommen. Es gelingt uns nur bedingt – nach einem Abendessen auf dem Wasser werfen wir den Motor an und dieseln die letzten beiden Stunden in Richtung Mallaig.

Die dortige Marina sei relativ neu, sagte man mir. Unser Skipper versuchte, per Funk und per Telefon Kontakt zum Hafenmeister aufzunehmen.

Das war zunächst ein hoffnungsloses Unterfangen, auf die Funkrufe (ja, der Kanal war korrekt) reagierte niemand. Auch die Telefonnummer wurde nicht bedient. Nach einer Weile fanden wir im Hafenführer dann noch eine weitere Telefonnummer („outside working hours“) und es ging am Sonntagabend wirklich noch jemand dran. Wir sollen uns irgendwo einen freien Platz suchen.

Und hier ist noch einmal das Motiv zu sehen. Der Leuchtturm von Ardnamurchan Point.

Und hier ist noch einmal das Motiv zu sehen. Der Leuchtturm von Ardnamurchan Point.

Anlegen, Landstromkabel, Duschzeug. In der Reihenfolge. Auf diesem Törn war das Anlegerbier noch nie weniger wichtig, die erste Duschgruppe eilte schon Minuten nach dem Anleger im Laufschritt den Steg entlang. Da das Duschgebäude der Marina gerade neu errichtet wird, geht man zum Duschen stilecht in die Seemannsmission. Für 2,50 Pfund läuft die Dusche so lange, wie man es möchte. Ich wasche mir die Haare dreimal. :D

Wir planen einen ruhigen Tag für den Montag, die Windvorhersage ist ernüchternd. Kein Wind, aber davon jede Menge. Die Vorräte müssen ergänzt werden, schon am Abend ergänzen wir die Biervorräte. In Schottland haben die Supermärkte sogar am Sonntagabend geöffnet.

Die moderne Marina von Mallaig, gebaut mit EU-Fördermitteln.

Die moderne Marina von Mallaig, gebaut mit EU-Fördermitteln.

Das Bier schmeckt, wir sitzen noch lange da und schwätzen. Frisch geduscht fühlen wir uns richtig gut. Nach und nach verschwinden wir in den Kojen, in der Hoffnung, daß sich die Windvorhersage für den kommenden Tag irrt.

Baustelle der Marinadusche

Baustelle der Marinadusche

Schiffbau in Mallaig neben der Marina

Schiffbau in Mallaig neben der Marina


Montag, 21. Juli. Wir verbummeln den Vormittag in Mallaig. Dazu gehört für die meisten noch eine ordentliche Dusche, wir plündern den Coop und anschließend gehen wir gemeinsam in ein Restaurant zum Mittagessen. Zwischen den ganzen Touristenfallen mit miesem Essen konnten wir tatsächlich eine Touristenfalle mit leckerem Essen auftreiben. Es war mein dritter Besuch in Mallaig und der „Mallaig Kipper“ war eine Sensation. Der Hering wird zunächst geräuchert und anschließend noch einmal gebraten. Mmmmh. :D

dampfzug

Dampfzug bei Mallaig

Anschließend kam es zu einer Premiere: In einem anderen Leben bin ich Trainspotter, treibe mich also mit meiner Kamera an irgendwelchen Eisenbahnstrecken herum und fotografiere Züge. Da zwischen Fort William und Mallaig ein Dampfzug verkehrt („Harry Potter Expreß“), war das für mich natürlich ein gefundenes Ziel. Wind konnten wir nirgendwo erstehen, also dieselten wir gegen 14 Uhr aus dem Hafen, um nur wenige Minuten später in der Nähe der Eisenbahnstrecke den Anker zu werfen. Die Bahnstrecke steigt dort leicht an und ich rechnete damit, daß die Dampflok auch ordentlich Dampf macht. Den Skipper hat es besonders gefreut, er kannte Dampfzüge bis dahin nur aus Film und Fernsehen.

Die Flaute hält uns natürlich nicht vom Fotografieren ab. So spiegelglatt ist das Wasser hier selten.

Die Flaute hält uns natürlich nicht vom Fotografieren ab. So spiegelglatt ist das Wasser hier selten.

Um Punkt 14:30 Uhr sind wir alle fotografierbereit, nur der Zug läßt noch etwas auf sich warten. Dafür sehen wir auf der Straße verschiedene Personen (Trainspotter), die ebenfalls ihre Kameras klar machen. Also kann es nicht mehr lange dauern.

Nebenbei: Das GPS hat unsere Ankerposition zu 100% auf Land gesehen, auch wenn ich sicher weiß, daß neben unserem Anker kein anderes Teil des Schiffs das Land berührt hat. Da hilft Navigation mit Auge und Echolot in der Situation etwas besser. Zu Beginn der Fotosession hatten wir noch eineinhalb Meter Wasser unter dem Kiel, zum Ende war es nur noch ein Meter. :)

Gut 10 Minuten nach der erwarteten Durchfahrtszeit kommt der Zug endlich. Wir hören ihn, bevor wir die Dampfwolke sehen können. Wir sehen die Dampfwolke deutlich, dann kommt der Zug zwischen zwei Felsen um die Ecke gefahren. Die Kameraverschlüsse klicken, Kameras piepsen, ein Video wird angefertigt – ja! Das war mal ein schönes Motiv und die Warterei hat sich echt gelohnt.

Wie man sieht, haben wir viel Wind!

Wie man sieht, haben wir viel Wind!

Motor an, Anker auf und weiter geht es auf der Route. Die See zeigt keinerlei Kräuseln, die Schäfchenwolken spiegeln sich in der Wasseroberfläche, der Diesel dieselt. Langeweile macht sich breit, aber wir wollen nur einen kurzen Schlag nach Eigg machen. Das Wettrennen mit der Calmac-Fähre verlieren wir deutlich.

Der Anlegesteg des Touristendampfers auf Eigg. Mit dem Segelboot sollte man hier nicht anlegen, jedenfalls nicht, wenn man nach ein paar Stunden noch Wasser unter dem Kiel haben möchte.

Der Anlegesteg des Touristendampfers auf Eigg. Mit dem Segelboot sollte man hier nicht anlegen, jedenfalls nicht, wenn man nach ein paar Stunden noch Wasser unter dem Kiel haben möchte.

In Eigg bricht bei der Fahrt vom Ankerplatz zum Land mal wieder der Scherstift der Dinghi-Propellerwelle. Jetzt haben wir nur noch einen Ersatzstift. Den bauen wir natürlich gleich ein, wissen aber, daß es sich voraussichtlich nicht um eine dauerhafte Reparatur handelt. Irgendwie ist es auch blöd, daß die für einen 3,5 PS Dinghimotor Stifte beilegen, die für 2,3 PS Dinghimotoren gedacht sind. Die brechen dann gerne mal beim Einkuppeln, besonders wenn die Drehzahl nicht richtig runtergeht. Oder so ähnlich.

Das Dinghi liegt mal wieder mit Motorschaden herum.

Das Dinghi liegt mal wieder mit Motorschaden herum.

Eigg ist eine „grüne“ Insel, die machen da viel mit Ökostrom, nachhaltigem Tourismus und Recycling. Also spazieren wir mal auf den Recyclinghof und finden dort allerfeinsten Zaundraht (ordentlicher Stahl) in brauchbarer Dicke, von dem wir uns einige Zentimeter abschneiden. Das kostet uns eine Zange, schafft aber einen Bausatz von vier bis fünf Scherstiften für den Dinghimotor. Schön. Gefühlt halten diese Stifte eher 200 PS als 2 PS aus. :D

Zwischen dem Touristenboot-Anlegesteg und dem Fähranleger ist eine Ankerbucht, in der man mit passendem Kiel auch ankern kann.

Zwischen dem Touristenboot-Anlegesteg und dem Fähranleger ist eine Ankerbucht, in der man mit passendem Kiel auch ankern kann.

Abendessen. Whisky. Sonnenuntergang. Das Übliche halt… von einem schönen Segeltag mag niemand sprechen, als Urlaubstag im Sonnenparadies Schottland taugte der Tag aber sehr. Ach ja, die Bierkühlung war defekt. Bei 16°C Wassertemperatur am Ankerplatz kann man das Bier nicht mehr im Meer kühlen.

Abendessen. Whisky. Sonnenuntergang. Das Übliche halt... von einem schönen Segeltag mag niemand sprechen, als Urlaubstag im Sonnenparadies Schottland taugte der Tag aber sehr. Ach ja, die Bierkühlung war defekt. Bei 16°C Wassertemperatur am Ankerplatz kann man das Bier nicht mehr im Meer kühlen.

Abendessen. Whisky. Sonnenuntergang. Das Übliche halt… von einem schönen Segeltag mag niemand sprechen, als Urlaubstag im Sonnenparadies Schottland taugte der Tag aber sehr. Ach ja, die Bierkühlung war defekt. Bei 16°C Wassertemperatur am Ankerplatz kann man das Bier nicht mehr im Meer kühlen.


Dienstag, 22. Juli. Es ist weiterhin Flaute. Wir planen, mit Hilfe unseres Motors die kurze Strecke nach Canna rüberzufahren. Alles ist langweilig, unspektakulär und der Diesel nervt. Eine Stunde lang versuchen wir, aus 7-8 kn Wind irgendwas segelbares herauszuholen. Die wenigen Knoten, die wir da machen, helfen gerade gegen den Tidenstrom. Also kommt die Wäsche wieder von der Leine und der Diesel darf weiterdieseln. Zwischen Eigg und Rhum finden wir einen schwimmenden Kochtopf.

Sofort fahren wir ein Kochtopf-über-Bord-Manöver motorsegler-ohne-windund können den Kochtopf bergen. Es ist ein großer Kochtopf, wahrscheinlich von einem der größeren Schiffe über Bord gefallen – etwa von diesem hier:

Kurze Zeit später kommt der Leuchtturm von Sanday in Sicht, der natürlich fotografiert werden muß. Sanday ist die Nachbarinsel von Canna, mit Canna über eine Brücke verbunden. Bei Niedrigwasser bräuchte man die Brücke nicht, bei Hochwasser kommt man dank der Brücke bequem auf die andere Insel rüber. Aber wir wollen ja nach Canna.

canna-harbourKurz hinter dem Leuchtturm ist die Einfahrt von Canna Harbour. Früher war alles besser… Besser? Hmmm. Es ist mein zweiter Besuch in Canna. Vor zwei Jahren, bei meinem ersten Besuch, haben wir etwa acht oder neun Versuche gebraucht, bis unser Anker in dem durchweg mit Seegras bewachsenen Ankergrund gehalten hat. Zwischendrin konnten wir immer wieder tonnenweise Seegras mit dem Anker rausziehen. Diesmal haben wir zehn Mooringbojen vorgefunden.canna-mooringboje

Die Bojen machen das Ankern natürlich viel einfacher, zumindest für die ersten zehn Schiffe, die in die Bucht einlaufen. Alle anderen dürfen dann wieder Ankerkino spielen. Der Hafenführer schreibt was von „…provides a lot of entertainment for those who have safely anchored…“ Stimmt immer noch. Aber eben erst ab dem 11. Schiff.

Nach dem Fischen der Boje sind wir zum Spaziergang auf die Inseln ausgeschwärmt. Es gibt dort irgendwo ein Celtic Cross, direkt neben dem Fähranleger eine Wehrkirche mit Ausstellung innendrin und eben den Pub. Dort im Pub spreche ich ein paar Franzosen an, die sich gerade eine Wettervorhersage geladen haben. Nein, die näcanna-blick-vom-pubchsten Tage können wir weiterhin wenig Wind erwarten. Schade, hat sich nichts geändert gegenüber den Hiobsbotschaften, die wir mehrmals am Tag von Stornoway Coastguard per Funk erhalten.

Die Flautentage sind schon nervig und schlagen auch ein wenig auf die Stimmung. So viel schönes Wetter, so viel Badestrand. So viele Quallen. So wenig Wind.


Mittwoch. Wir wollen in Richtung Sound of Arisaig, in eine bestimmte Ankerbucht, die sogar mit Mooringbojen ausgestattet ist. Darum geht es uns aber nicht, denn es befindet sich dort ziemlich nah am Wasser eine Fischräucherei. Dort haben wir schon von Deutschland aus gewisse Mengen an Räucherlachs bestellt. Was mir gerade noch einfällt: Auf Canna haben wir den selbstgebastelten Zaundraht-Stift in den Dinghimotor eingebaut und damit die Sollbruchstelle von der Schraube Richtung Getriebe verschoben. Hat aber nichts ausgemacht, seit dieser Reparatur gab es nie wieder Probleme mit dem Dinghimotor.

hyskeir-lighthouseUnterwegs stellen wir fest, daß wir ein paar Knoten Wind gefunden haben. Den nutzen wir umgehend aus, um einen Umweg zum Hyskeir Lighthouse zu machen. Ist eigentlich widersinnig – sie stellen die Leuchttürme auf, um die Seefahrer davor zu warnen, in die Felsen hineinzufahren. Und wir nehmen unser Schiff und fahren in die Felsen rein. Allerdings aus Richtung Norden, da ist es einigermaßen gut kartografiert. Aus südlichen Richtungen sagt die Seekarte „ich bin ungenau“ und das GPS-Gerät hat die Fläche rot schraffiert. Sieht ungesund aus. Der Hafenführer rät vom Besuch ab.

Bei gutem Wetter ist es wurschtegal und gutes Wetter haben wir schliecamas-an-ligheßlich. Also können wir einen weiteren Leuchtturm zu unserer Sammlung hinzufügen.

In Höhe von Muck ist es dann vorbei mit dem Wind. Wir werfen den Diesel wieder an und sind wenige Stunden später da.

Im feinsten Licht der untergehenden Sonne liegen die Schiffe an ihren Bojen. Die Bucht heißt übrigens Camas an Lighe. Anschließend setzen wir sofort an Land über, stürmen den Pub und finden die Duschen. Danach ein leckeres Bier an Land und wieder zurück an Bord. Die Fischräucherei hat noch offen, wir nehmen uns etwas Lachs zum Abendessen mit. smokehouse

Wer da mal in der Gegend ist, sollte unbedingt das Smokehouse aufsuchen. Es wird von einem Deutschen aus Krefeld betrieben, der vor ca. 10 Jahren ausgewandert ist. Überhaupt gibt es auf dieser Halbinsel (Ardnamurchan) ziemlich viele Deutsche. Die Bäckersfrau, die übrigens auch Friseurin ist, kommt ebenfalls aus Deutschland.

So sitzen wir mit einem Whisky im Cockpit und schauen einerseits der Sonne bei ihrem Untergang zu, andererseits den Felsen neben unserer Boje beim Wachsen. Es sieht so aus, als ob die Felsen immer größer und größer werden, je weniger Wasser sich in der Bucht befindet. Ein weiterer Motorboottag neigt sich dem Ende zu.

camas-an-lighe-sonnenuntergang

 

 


Donnerstag, 24. Juli. Wir planen die Umrundung von Ardnamurchan, einen Zwischenstop in Tobermory und dann den Besuch der werdenden Ardnamurchan Destillery. Dort sind wir mit dem Manager verabredet, mit dem wir auch den Lachs gemeinsam schlachten wollen.

fischer Also fahren wir nach dem Lachskauf los. Mit unserem tollen Motor natürlich, denn ohne ihn wären wir völlig aufgeschmissen. Unterwegs geschieht nicht viel, kurz vor dem Leuchtturm werden wir von einem wunderschönen Fischerboot überholt.

Die Fischer haben sicher weniger Tiefgang als wir, außerdem kennen sie die heimischen Gewässer. Insofern ist es nicht verwunderlich, daß die Jungs eine Abkürzung nehmen und uns somit ein wunderschönes Fotomotiv vor dem Leuchtturm bieten. Leider waren sie ein wenig zu schnell, fünf Minuten später wäre das Bild besser geworden.

Und so gelangen wir nach Tobermory. Vor zwei Jahren in Tobermoryfischer-point-of-ardnamurchan ist uns der Gasherd abgesoffen und der Skipper stand davor, um ihn wieder in Gang zu bringen. Anstatt die Brenner mit einem Tuch zu trocknen, war die eine Hand am Gasgriff, die andere an der Elektrozündung. Pitsch, pitsch, pitsch (die Zündung), pitsch, pitsch, pitsch, BUMM. Das Gas. Die Explosion hat den Skipper damals um wenige Zentimeter verfehlt, kleinere Brandflecken waren über dem Herd. Und das Dinghi hat sich im Sturm umgedreht, der Dinghimotor wurde in Salzwasser eingelegt. Das war vor zwei Jahren.

Diesmal präsentiert sich Tobermory von seiner freundlichsten Seite. Ein Kreuzfahrer liegt vor dem Hafen.

tobermory-kreuzfahrer-segler

Wir fahren in die Marina herein, die bunten Häuser werden herrlich von der Sonne beleuchtet.

tobermoryDa vom Hafenmeister weit und breit nichts zu sehen ist, schnappen wir uns die nächste freie Box in der Marina.

tobermory-marinaWir treffen den Hafenmeister später. Ein sehr netter Mann, der uns den Liegeplatz für zwei Stunden kostenlos überlassen hat. Wahrscheinlich war er zu faul, nach dem Quittungsblock zu suchen. Die zwei Stunden brauchten wir auch für den Einkauf im Coop, dem einzigen richtigen Laden in Tobermory. Dort kann man neben Lebensmitteln auch Zigaretten kaufen – seit drei Tagen bei uns Mangelware an Bord. Drei Raucher gingen fast auf dem Zahnfleisch.

Der Coop war überfüllt mit fetten Leuten vom Kreuzfahrtschiff, die ihre Reisekasse durch offensiven Bierkauf geschont haben. Das bringt uns natürlich vor Probleme, denn es ist kein Bier mehr da. Vorerst. Bevor einem britischen Supermarkt das Bier ausgeht, müssen schon ein paar Kreuzfahrer kommen. Die Schlange an der Kasse ist ewig lantobermory-kreuzfahrerg, aber die Briten sind disziplinierte Schlangesteher und irgendwann kommt jeder wieder raus aus dem Laden.

Nach dem Einkaufen geht es wieder an Bord.

Wir kurven um den Kreuzfahrer herum, dann geht es ein Stück hinein ins Loch Sunart und wir finden eine Mooringboje in der Glenmore Bay, direkt vor der Ardnamurchan Destille. Destillenbesichtigung mit dem Manager, der übrigens aus Deutschland kommt und dementsprechend gut Deutsch spricht. Er führt sich bei uns an Bord gut ein, indem er eine Flasche Whisky mitbringt. Natürlich protzen wir neben dem Lachs auch mit unserer Bordbar.

Der Unterschied zwischen „farmed salmon“ und „farmed salmon“ ist übrigens nur an der Herkunft zu erkennen. Mark erklärt uns, daß die Fische aus den Loch-Fischzuchten oft überdüngt – äh – mit Antibiotika vollgestopft werden. Die Fische aus den Meer-Fischzuchten dagegen nicht, weil hier der Wasseraustausch wesentlich besser ist.

Fotos habe ich keine mehr von diesem Abend. Selten war ich so betrunken. Wir alle. Nur der Dinghipilot, der den Destillery-Manager wieder an Land geschafft hat, mußte sich zurückhalten. Slainte!


Über den letzten Reisetag bleibt nicht viel zu schreiben. Wieder fahren wir unter Motor bei feinstem Sonnenschein – diesmal durch den Sound of Mull. Ein Leuchtturm muß noch passiert werden, der Leuchtturm am südlichen Ende der Insel Lismore.

lismore-lighthouseZwei Stunden später sind wir wieder in der Dunstaffnage Marina und haben die Oceanlord letztmalig in diesem Urlaub festgemacht. Insgesamt haben wir in diesen zwei Wochen ca. 420 nm zurückgelegt. In der ersten Woche weitestgehend unter Segeln, in der zweiten Woche hat der Herr Volvo fast jeden Tag helfen müssen. Das ergab dann eine Spritrechnung über 125 Liter Diesel.

Das Abschlußessen fand im Pierhouse Hotel statt. Es ist schon pervers, aber nach zwei Wochen mit jeder Menge frischem und geräuchertem Fisch wollte ich unbedingt ein Stück von der Kuh haben. Das Steak war sehr lecker. Allerdings war das Steak auf der DFDS-Fähre, das ich mir zwei Tage später noch gegeben habe, qualitativ wesentlich besser… das mit dem Essen ist immer eine Frage der Perspektive. :D

Es war sicher nicht mein letzter Schottland-Segeltörn. Vielleicht werde ich mir beim nächsten Mal sogar zutrauen, den selbst zu skippern.

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